So kämpfen sich Ehrenamtliche durch die Pandemie

Genau diese Erfahrung macht aktuell Reinhold Weiher, Stadtrat (FW) und Erster Vorsitzender des TSV Schwabmünchen. „Wir sind in unserer Geschäftsstelle die meiste Zeit damit beschäftigt zu klären: Was ist möglich und was nicht? Leider ist unser Verwaltungsaufwand gerade größer als unser Sportangebot.“ Immerhin sei die Nachfrage nach Übungsstunden trotz mehrerer Lockdowns hoch geblieben, was Kreiswasserwachts-Vorsitzender Max Markmiller und Daniel Kobler, Boulder-Trainer des Alpenvereins, übereinstimmend bestätigten. „Alle Kindergruppen waren zuletzt ausgebucht. Wir suchen nach wie vor Betreuer, um die Anfragen der Eltern bedienen zu können“, berichtete Kobler. Gutscheine für Vereinsmitgliedschaften oder gar Schwimmkurse, wie es sie in Bayern zu Beginn des neuen Schuljahrs gegeben hat, seien gut gemeint, hätten aber auch problematische Entwicklungen verstärkt. „Wir hatten auch vor der Aktion keine Schwierigkeiten, Neumitglieder oder Teilnehmende an der Schwimmausbildung zu gewinnen. Leider kam erst die Förderung, dann die Erläuterung zur Erstattung. Es ist ebenso wichtig, ausreichend Mittel für die Sanierung von Schwimmbädern zu verwenden“, sagte Markmiller.

Flüchtlingsarbeit: Persönlicher Kontakt nicht zu ersetzen

Mit der Kontaktreduzierung und der Verlagerung in die digitale Welt haben die Vereinsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter gemischte Erfahrungen gemacht. Schwabmünchens dritte Bürgermeisterin Margit Stapf (Grüne) bedauerte, dass auch in der Parteiarbeit die Kommunikation so sehr sachorientiert ablaufe und persönliche Gespräche in den Hintergrund gerieten. Karola Stenzel vom Netzwerk Integration ergänzte, dass es bei den Geflüchteten oft schon an der technischen Ausstattung fehle: „Per E-Mail können wir kaum den Kontakt aufrechterhalten. Wir haben viele Spaziergänge gemacht oder uns durchs geöffnete Fenster unterhalten. Ich fürchte, der nächste Winter wird für alle Seiten wieder sehr hart.“ Ein Bereich, in dem Praxis und Begegnung unerlässlich sind, sei die Ausbildung von Schulsanitäterinnen und -sanitätern, schilderte Nadine Kruppe. Die Gruppenleiterin des Jugendrotkreuz hofft auf verlässliche Signale der Politik, wann und wie es für die Jugendlichen weitergehe, deren Einsatz auf dem Pausenhof sehr wertvoll sei.

Dass das Infektionsgeschehen und damit der Spielraum für kulturelle Angebote stark von der Jahreszeit abhängt, stellte Patrick Jung fest, Leiter des Singoldsand Festivals und Stadtrat in Schwabmünchen (FW). „Ich bin trotz allem zuversichtlich, weil ich weiß, dass es im Frühjahr wieder besser wird. 2021 war kein Festival wie jedes andere und nur möglich, weil wir im Team eine tolle Impfquote von 91 Prozent hatten. Nächstes Jahr möchten wir wieder feiern wie zuvor, das wird vermutlich nur mit strikten Voraussetzungen wie 2G-plus möglich sein.“ Jung betonte, dass vor allem die Kommunen finanzielle Entlastungen bräuchten, damit die Kulturszene in Schwabmünchen lebendig fortbesteht. Fördermittel konnte Max Deisenhofer als Oppositionspolitiker freilich nicht in Aussicht stellen. Stattdessen versicherte er, die Anregungen aus der Praxis in das Parlament zu tragen und die Gespräche – dann in persönlicher Form – 2022 fortzusetzen.